Presse

Verkehrswachten stets im Dienst der Sicherheit
Artikel Lausitzer Rundschau
Rainer Genilke, Chef der Landesverkehrswacht, über Ehrenamt, ältere Fahrer und Smombies

 

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| 14:25 Uhr

Start in die Radlersaison

Radler entdecken geschändete Gräber
Auch ein Blick ins erhaltene Kellergewölbe vom einstigen Hauptschloss Sonnewalde gehörte zu den Angeboten beim Saisonstart ins Radlerjahr der Sängerstadtregion. Museumsleiter Hubert Schade führte die Gäste.
Auch ein Blick ins erhaltene Kellergewölbe vom einstigen Hauptschloss Sonnewalde gehörte zu den Angeboten beim Saisonstart ins Radlerjahr der Sängerstadtregion. Museumsleiter Hubert Schade führte die Gäste. FOTO: Dieter Babbe

 

Finsterwalde. Kopfschütteln, aber auch viel Erfreuliches gab es am Samstag beim Radlerauftakt in der Sängerstadtregion. Von Dieter Babbe

 

Das war ein Schock für die Radler: Auf dem alten Friedhof der Sonnewalder Grafenfamilie hatte jemand an zwei Gräbern Hand angelegt und etliche Ziegelsteine einer tiefen Gruft herausgebrochen. Ein Fall von Grabschändung, zudem nicht ungefährlich: Die gemauerten Grabgewölbe könnten einstürzen. Die Radler hatten die Grabschändung am Mittwoch bei einer Testfahrt entdeckt und sofort gemeldet, die Polizei war inzwischen vor Ort und hat den Tatort untersucht. Beim Saisonstart ins neue Radlerjahr am Sonnabend ist auch der Solmsche Friedhof besucht worden. Auf dem Erbbegräbnis der Grafenfamilie unweit des Schlossparkes standen die Radler kopfschüttelnd vor der Stelle, wo bislang Unbekannte die Totenruhe gestört hatten. Kein Einzelfall auf diesem besonderen Friedhof. Die Grabstätten von Gräfin Clementine und von Gräfin Sabine, 1872 bzw. 1881 beigesetzt, wurden diesmal geschändet. Die Kirchengemeinde als Eigentümerin des Erbbegräbnisses wird sich darum kümmern, dass die metertiefen Gruften wieder sicher verschlossen werden.

Fast 30 Radfahrer waren am Samstag, angeführt von Mitgliedern der Kreisverkehrswacht, bei herrlichem Wetter vom Finsterwalder Marktplatz aus zu einer mehr als 50 Kilometer langen Tagesetappe gestartet. Erst gegen 18 Uhr waren sie wieder in der Sängerstadt. Noch vor dem Rathaus hatten Verkehrswächter etliche Fahrräder technisch überprüft. Wer wollte, konnte seine Sehschärfe und Reaktionsfähigkeit testen und mit einer Rauschbrille nachempfinden, wie es ist, wenn man unter Alkoholeinfluss steht.

Im Trebbuser Islam-Kloster sind die Radler von Scheich Abdullah Halis und seiner Frau Halima mit orientalischen Kostbarkeiten verwöhnt worden. Bei einer Führung durch die Moschee, früher der Tanzsaal eines Gasthofes war, erfuhren die Gäste viel über den Islam, der eine friedfertige Religion ist, wie der Scheich betonte. „Es gibt eben leider auch Radikale“, sagte er. 1,5 Millionen Euro hat der Scheich – ein gebürtiger Berliner Christ, der als junger Mann konvertiert ist – seit 1992 in den halbverfallenen Bauernhof gesteckt und zu einem Zentrum der muslimischen Gemeinschaft der Sufi-Bruderschaft Mevlevi gemacht. Der 73-Jährige hat noch weitere Pläne. Es soll für seine mehr als 8000 wertvollen Bücher, mit zum Teil alten Handschriften, eine neue Bibliothek entstehen. In den spartanisch eingerichteten Gästezimmern kann jedermann übernachten – vorausgesetzt man verzichtet auf Bier und Wein. Ab Mai öffnet Scheich Abdullah Halis das Kloster wieder jeden Sonntag von 11 bis 18 Uhr für interessierte Besucher.

Start in die Radlersaison FOTO: Dieter Babbe

Ein Paradies auf Erden anderer Art erlebten die Radler an der zweiten Station: Genau 154 verschiedene Vogelarten leben am idyllischen Lugkteich bei Brenitz – „sogar der äußerst seltene Seeadler hat hier sein Jagdrevier“, berichtete Naturwächterin Monika Gierach – ohne den Nistplatz zu verraten. Durch ihr Fernglas konnte man einige Vögel auf dem See, angelegt von den Doberluger Mönche, beobachten, so Singschwäne, Enten und Kraniche.

Auf „Fünf vor Zwölf“ stehen die Zeiger der Uhr am Giebel vom Sonnewalder Vorderschloss und verrücken sich nicht. Für Hubert Schade, Vorsitzender des Fördervereins und Leiter der Heimatstube (mit immerhin mehr als 20 Zimmern), eine Symbolik. „Es ist allerallerhöchste Zeit, dass der Verfall des Schlosses aufgehalten wird“, sagte er. In der so genannten Kutschenkammer, in der zu Grafenzeiten die Pferde der Gäste untergebracht waren, ist ein Anfang gemacht. Die bröckligen Sandsteinsäulen sind komplett ersetzt oder saniert. Die gesperrten Räume darüber können wieder genutzt werden.

Mit der Taschenlampe führte Hubert Schade die Besucher in die tiefen Gewölbekeller des einstigen Hauptschlosses, die vom Brand im Jahre 1947 übrig geblieben sind. Um die 20 Fledermäuse verschiedener Arten überwintern dort ungestört, weil eine eiserne Gittertür den Zugang versperrt. Das frühere Stadtgefängnis, einzigartig im Elbe-Elster-Kreis, konnte indes wegen Baufälligkeit und Einsturzgefahr nicht besichtigt werden – „hier ist es schon Fünf nach Zwölf“, bedauert Hubert Schade.

 

Kreisverkehrswacht

Gefährliche Alleebäume: die Säge ansetzen

 

Von Dieter Babbe
Verkehrswacht-Präsident Rainer Genilke regt angesichts steigender Baumunfälle im Land eine neue Debatte an. 

 

Das Land Brandenburg sollte an einigen für Auto- und Motorradfahrer gefährlichen Baumalleen die Säge ansetzen. Das fordert Rainer Genilke, Präsident der Landesverkehrswacht, angesichts deutlich steigender Unfallzahlen auf Alleestraßen. 35 Prozent der insgesamt 148 Verkehrstoten (27 mehr als im Vorjahr), womit Brandenburg unrühmlicher Spitzenreiter in Deutschland ist, waren im vorigen Jahr bei solchen Baumunfällen gestorben.

Die Zahl der Toten stieg innerhalb eines Jahres von 30 auf 51 und damit um 70 Prozent. „Was es noch schlimmer macht: Die Opfer waren nicht nur Verursacher, auch unbeteiligte Betroffene. In jedem Fall stehen menschliche Schicksale dahinter, denken wir auch an die Familien der Opfer. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung muss man doch feststellen: Tempo-70-Schilder aufzustellen reicht nicht mehr“, erklärt Rainer Genilke.

Bei der Jahreshauptversammlung der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster stieß der Präsident der Landesverkehrswacht und Verkehrsexperte der CDU-Fraktion im Landtag eine Debatte an: „Wir müssen uns fragen, ob wir in Zukunft noch überall Alleen brauchen und als Kulturgut schützen wollen, wenn wir wissen, dass wir uns dort tot fahren. Wollen wir die Todeszahlen signifikant senken, müssen wir an allen Alleen Leitplanken anbringen, was viel Geld kostet, oder einsehen, dass wir nicht jede Allee erhalten können.“

Obwohl die Zahl der Baumunfälle im Elbe-Elster-Kreis nicht gestiegen ist, wie Stefan Wagenmann, Leiter des Straßenverkehrsamtes, erklärte und auch bei den Verkehrstoten, die 2017 zum Vorjahr von zehn auf fünf zurückgingen, nicht im Landestrend liegt, hat es in diesem Jahr bereits drei Opfer im Straßenverkehr gegeben, informierte Gerd Elsel von der Polizeiinspektion Elbe-Elster. Behördenleiter Wagenmann berichtete von anderen Sorgen mit den Rasern, die die meisten Verkehrsunfälle verursachen. So sei die Zahl der Bußgeldverfahren wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen in den letzten beiden Jahren im Elbe-Elster-Kreis von 30000 auf mehr als 40000 gestiegen.

Die Unfallzahlen wären noch weit höher, würde es das ehrenamtliche Engagement der Verkehrswächter nicht geben, würdigte Präsident Rainer Genilke die Arbeit der 55 Mitglieder der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster. Der Verein hat im vorigen Jahr bei 268 Veranstaltungen mehr als 4700 Menschen erreicht, so bei Verkehrsteilnehmerschulungen, beim Verkehrsunterricht in Kitas und Schulen, bei Aktionen mit Senioren und auch beim Sicherheitstraining auf dem Übungsplatz in Massen, wo die Termine für das erste Halbjahr 2018 bereits nahezu ausgebucht sind.

Auf diesem Autodrom findet am 23. Juni der nächste Verkehrstag statt. Besucher sind diesmal zu einem Kart-Rennen um den „Großen Preis des Elbe-Elster-Kreises“ eingeladen, wo es nicht um Schnelligkeit, sondern um Geschicklichkeit, die Einhaltung von Verkehrsregeln und um die Beherrschung des Fahrzeuges geht. Unterstützt wird die Veranstaltung vom MC Lebusa, der seit Jahrzehnten erfolgreich beim Kart-Sport ist. Zu einem Hingucker soll außerdem eine besondere Autoschau werden: Bastler sind eingeladen, ihre Fahrzeuge der Marke Eigenbau – von der fahrenden Bierkiste, über Seifenkisten bis zu originellen Zwei-, Drei- und Vierradfahrzeugen vorzustellen und vorzuführen. Interessenten sollten sich bei der Kreisverkehrswacht per E-Mail anmelden unter:
kreisverkehrwacht_EE@web.de

Unter der Regie der Kreisverkehrswacht und unterstützt vom Sängerstadt-Marketingverein fällt am 21. April der Startschuss ins touristische Radlerjahr für den Finsterwalder Altkreis. Eine erlebnisreiche Tagestour – mit und ohne E-Bike – führt von Finsterwalde zum Islam-Kloster nach Trebbus, in die Keller von Schloss Sonnewalde und zum idyllischen Lugkteich. Die nächste Familienradtour, zu der insbesondere Familien mit kleineren Kinder eingeladen sind, führt am 16. Juni durch die Sängerstadt, wo die Steppkes am Gerätehaus Mitte mit dem Feuerwehrauto fahren und im Finsterwalder Tierpark bei einer speziellen Führung Tiere auch streicheln und füttern dürfen.

Zu seinem 50. Geburtstag hatte Verkehrswacht-Präsident Genilke seine Gäste gebeten, auf Sachgeschenke und Blumen zu verzichten. Mit den Geldpräsenten will er unter anderem die Arbeit der Finsterwalder Jugendfeuerwehr und auch die Kreisverkehrswacht unterstützen. So konnte der Vorsitzende in der Jahreshauptversammlung einen Scheck in Höhe von 1000 Euro entgegennehmen. Das Geld wird für den Kauf neuer Bekleidungsgegenstände für die Verkehrswächter verwendet, deren Aktionen sehr oft bei Wind und Wetter im Freien stattfinden.

 

| 12:51 Uhr

Ausgezeichnet

Unfallfrei mit Millionen Euro im Auto unterwegs
Urkunde, Nadel und Aufkleber fürs Auto: Der 72-jährige Hans-Dieter Holz fährt sein Leben lang unfallfrei – und wurde jetzt ausgezeichnet.
Urkunde, Nadel und Aufkleber fürs Auto: Der 72-jährige Hans-Dieter Holz fährt sein Leben lang unfallfrei – und wurde jetzt ausgezeichnet. FOTO: Dieter Babbe

 

Finsterwalde/Sallgast. Hans-Dieter Holz fuhr Lkw auf dem Bau, im Tagebau und viele Jahre Geldtransporte. Von Dieter Babbe

 

Beruflich hat Hans-Dieter Holz immer hinter dem Steuer von Lkw gesessen – anfangs auf dem Bau in Finsterwalde, später bei der Werksfeuerwehr im Tagebau Klettwitz-Nord. Die letzten acht Jahre vor der Rente waren wohl die anstrengendsten: Der Sallgaster fuhr Geldtransporter. „Ich bin für eine Cottbuser Sicherheitsfirma Geschäfte, Supermärkte, Sparkassen und Banken in Sachsen angefahren – manchmal, meist vor Weihnachten, hatte ich bei einer Tour mehr als eine Million Euro im gepanzerten Fahrzeug. Das war schon eine zusätzliche nervliche Belastung, vor allem wenn man von Überfällen auf Geldtransporter hörte“, erinnert sich der heute 72-Jährige, der zu seinem Schutz eine Waffe trug – die er im Dienst aber nie benutzen musste. 250 und mehr Kilometer war Hans-Dieter Holz täglich unterwegs, oft bis spätabends.

Seit 54 Jahren hat er jetzt den Führerschein, ist etliche Tausend Kilometer in seinem Leben gefahren, beruflich und auch viel privat, zuerst mit dem Trabi, seit der Wende ist er ein Opel-Fan. Die Kinder, die im weit entfernten Darmstadt und in Oldenburg wohnen, werden mehrmals im Jahr besucht. Nie hat Hans-Dieter Holz einen selbst verschuldeten Unfall gebaut. In der Flensburger Verkehrssünderkartei ist er ein unbeschriebenes Blatt, wie die Behörde auf Anfrage bestätigte. „Nur einmal ist mir zwischen Wormlage und Dollenchen ein Wildschwein ins Auto gerannt. Das Tier war tot, das Auto kaputt“, berichtet er. Auch geblitzt ist er schon worden, die Strafe war aber nie höher als 15 Euro.

„Ich fahre vorausschauend und lasse mich nicht ablenken. Ich bin kein Raser, behindere aber den Verkehr auch nicht“, nennt Hans-Dieter Holz sein Rezept für unfallfreies Fahren. Dafür bekam er dieser Tage das „Goldene Lorbeerblatt“ von der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster überreicht. Die meint: Weiter so, Herr Holz!

 

| 18:44 Uhr
Gerhard Kieß: Ungenutzte Brücke an der "Kleinen Unterführung" abreißen!
Eng und unübersichtlich ist es für Autofahrer an der "Kleinen Unterführung" - die vordere Brücke könnte abgerissen werden
Eng und unübersichtlich ist es für Autofahrer an der "Kleinen Unterführung" - die vordere Brücke könnte abgerissen werden FOTO: Dieter Babbe

 

Finsterwalde. Es ist das wohl engste und zugleich belebteste Nadelöhr von Finsterwalde. An der "Kleinen Unterführung", wo die Straße so eng ist, dass lediglich ein Auto aus immer nur einer Richtung durchpasst, drängeln sich tagtäglich Hunderte Fahrzeuge und verursachen in Stoßzeiten einen langen Rückstau. Dieter Babbe / dbe1

 

Mit viel Geduld, allerhöchster Konzentration und guten Nerven müssen die Autofahrer, die aus vier Straßenarmen und von der Kreuzung Tuchmacher- und Forststraße kommen, diese Bahnunterführung passieren - ohne dass man von beiden Seiten Einblick in den entgegenkommenden Verkehr hat. Seit durch den Straßenbau in der Innenstadt hier zusätzlich der Umleitungsverkehr durchgeleitet wird, verlängern sich die Staus sogar noch. "Dabei könnte man die Situation deutlich entkrampfen und den Verkehr zumindest übersichtlicher gestalten, wenn eine der beiden Brücken der "Kleinen Unterführung" abgerissen werden würde. Damit wäre die lange und enge Durchfahrt deutlich verkürzt und der Blick frei zum entgegenkommenden Verkehr", schlägt Gerhard Kieß, ein Finsterwalder Bahn-Experte, jetzt vor. Seine Begründung: Während auf der einen Brücke die Züge zwischen Cottbus und Leipzig rollen, wird die andere Brücke nicht mehr gebraucht - die Crinitzer Bahn fährt hier schon lange nicht mehr. Die Gleise darüber sind längst verschrottet, auf der Brücke wachsen inzwischen Bäume auf dem Schotterbett. Mit seinem Vorschlag wandte sich Gerhard Kies an die Kreisverkehrswacht Elbe-Elster - ermuntert durch die öffentliche Ankündigung, dass die "Große Unterführung", durch die am Eingang zur Innenstadt gegenwärtig noch die Bundesstraße führt, im kommenden Jahr umgestaltet und erweitert werden soll. "Die Arbeiten sollen teilweise bei Vollsperrung erfolgen, dann wird die "Kleine Unterführung" wieder deutlich mehr Umleitungsverkehr aufnehmen müssen", befürchtet Gerhard Kies. Rainer Genilke (CDU), Verkehrsexperte seiner Partei in Landtag, Kreistag und Stadtverordnetenversammlung, zugleich auch Präsident der Landesverkehrswacht Brandenburg, unterstützt das Anliegen von Gerhard Kies. Dabei geht Genilke noch weiter - in einem Schreiben an den Konzernbeauftragten der Deutsche Bahn AG für das Land Brandenburg, das der Lausitzer Rundschau vorliegt, regt er neben dem Abriss des nicht mehr benötigten Teils der Brücke der "Kleinen Unterführung" an, "die Deutsche Bahn sollte in dem Zuge auch über eine Verbreiterung der Durchfahrt für die andere Brücke nachdenken". Gerhard Kieß hat mit 43 Dienstjahren sein gesamtes Berufsleben bei der Bahn verbracht, wo er mehr als zwei Jahrzehnte und bis zur Wende als Ingenieur für Eisenbahnbetriebs- und Transporttechnik im Berliner Rechenzentrum für den Güterverkehr in der Deutschen Reichsbahn der DDR zuständig war. Auch nachdem der heute 81-Jährige im Jahre 1993 in den Ruhestand ging, hat sich der Herz-Blut-Eisenbahner immer wieder öffentlich zu Verkehrsproblemen geäußert und Beiträge über die Geschichte der Bahn in der Region publiziert.

 

| 09:21 Uhr

Verkehr

Bahn lehnt Teilabriss der „Kleinen Unterführung“ in Finsterwalde ab
Das engste Nadelöhr für Autofahrer in Finsterwalde: Keine Lösung für die „Kleine Unterführung“. Archivfoto: Dieter Babbe
Das engste Nadelöhr für Autofahrer in Finsterwalde: Keine Lösung für die „Kleine Unterführung“. Archivfoto: Dieter Babbe FOTO: Henry Blumroth / Medienhaus Lausitzer RUNDSCHAU

 

Finsterwalde. Die Brücke bleibt größter Engpass für Autofahrer und wird weiter für lange Rückstaus und Wartezeiten in der Sängerstadt sorgen. Von Dieter Babbe

 

Die „Kleine Unterführung“, das engste und unübersichtlichste Nadelöhr für Autofahrer in der Sängerstadt, bleibt so wie sie ist. Das geht aus einem Schreiben der Deutschen Bahn AG hervor, das jetzt der Lausitzer Rundschau vorliegt. Der Teil der Bahnbrücke in der Tuchmacherstraße mit den Gleisen der Strecke Leipzig-Cottbus sei im vorigen Jahr erst umfangreich von der DB Netz AG instandgesetzt worden und könne so mindestens weitere 15 Jahre genutzt werden, teilt die Deutsche Bahn mit. Der andere Teil der Brücke mit dem stillgelegten Gleis nach Crinitz sei in einem verkehrssicheren Zustand, ein Abriss sei nicht zwingend notwendig, heißt es.

 

Fakt ist: Durch den regen Straßenbau in der Finsterwalder Innenstadt muss die „Kleine Unterführung“ für viele Autofahrer als Umleitung genutzt werden. Weil Fahrzeuge im Gegenverkehr nicht aneinander vorbei fahren können und es hier keine Ampel gibt, entstehen mitunter lange Rückstaus und Wartezeiten. Hinzu kommt: Die Sicht zum Gegenverkehr ist so stark eingeschränkt, dass lediglich das erste an der Brücke stehende Fahrzeug den entgegenkommenden Verkehr überblicken kann. An der Stelle läuft zudem der Verkehr von vier Straßensträngen zusammen.

Mit dem Neubau der „Großen Unterführung“, der im nächsten Jahr vorgesehen ist (zeitweise unter Vollsperrung), wird sich die dramatische Verkehrssituation an der „Kleinen Unterführung“ noch weiter zuspitzen. Darauf wies kürzlich der Finsterwalder Bahnexperte Gerhard Kieß öffentlich hin, der sich mit seinem Anliegen an die Kreisverkehrswacht gewandt hat. Er schlägt vor, den nicht mehr genutzten Brückenteil mit der früheren Bahntrasse nach Crinitz abzureißen. Dadurch wäre nicht nur von beiden Seiten der Blick frei für den Gegenverkehr, außerdem würde sich die lange Durchfahrt durch die enge Brücke wesentlich verkürzen, argumentiert Gerhard Kieß.

Rainer Genilke, Präsident der Landesverkehrswacht und zugleich CDU-Abgeordneter und Verkehrsexperte seiner Partei, unterstützt den Vorschlag, dem die Lausitzer Rundschau im August nachgegangen war – und regt in einem Schreiben an die Bahn nicht nur den Abriss des nicht mehr genutzten Teils der „Kleinen Unterführung“, sondern sogar den völligen Neubau einer größeren, sprich breiteren und auch höheren Bahnbrücke an. Doch solch ein Brückenneubau kostet viel Geld – und die Stadt Finsterwalde wäre als Straßenbaulastträger der Tuchmacherstraße „entsprechend dem Eisenbahnkreuzungsgesetz in einem erheblichen Maß zur Mitfinanzierung verpflichtet“, heißt es in der Antwort von Joachim Trettin, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für die Region Ost. Nach diesem Gesetz müsste sich die Stadt zu einem Drittel an den Kosten beteiligen.

Aus Sicht der Polizei ist das Nadelöhr seit Jahren zwar kein Hauptunfallschwerpunkt in der Sängerstadt, dennoch kracht es hier immer wieder mal. Neun Unfälle hat es an der „Kleinen Unterführung“ seit 2015 bis letzten September gegeben, in diesem Jahr bisher allein fünf, allerdings alle ohne Personenschaden. Hauptursache: Autofahrer müssen wegen des zu spät erkannten Gegenverkehrs den Rückwärtsgang einlegen – und stoßen dabei mit dem hinteren Fahrzeug zusammen. Einige Fahrzeuge sind, weil die Brücke nur 2,50 Meter niedrig ist, „hängen geblieben“. Die Ordnungshüter sprechen auch von „Beinaheunfällen“, die es hier wegen der Unübersichtlichkeit sehr oft gibt.

„Die Verkehrssituation an der Kleinen Unterführung ist keine Lösung für die Zukunft – und sie passt nicht zum sonst gut ausgebauten Zustand der Straßen in der Finsterwalder Innenstadt, der auch in den nächsten Jahren weiter gehen soll“, heißt es bei der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster. Und weiter: „Autofahrer brauchen hier mitunter viel Zeit und Geduld, gute Nerven und allerhöchste Konzentration. Wenn die Kleine Unterführung so bleibt wie sie ist, bedeutet das Stillstand in der Stadtentwicklung von Finsterwalde an dieser wichtigen Stelle.“

 

 

Bildtext: Das engste Nadelöhr für Autofahrer in Finsterwalde: Keine Lösung für die „Kleine Unterführung“. Archivfoto: Dieter Babbe